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am 25. August

Sommerkino Heiligenkreuz

Matthäus Schwalm - Ein Dorf zieht blank

Die charmant beschwingte französische Sommerkomödie EIN DORF ZIEHT BLANK erzählt die Geschichte einer Kleinstadt, die vor einem berühmten Fotografen die Hüllen fallen lassen soll, um ihre Heimat vor dem Untergang zu bewahren.

Es lief schon mal besser für die Bewohner des kleinen Städtchens Mele-sur-Sarthe in der Normandie. Die Landwirtschaftskrise greift um sich, sämtliche Bauern sind verschuldet, die Einnahmen der Stadt gehen gegen Null. Doch Bürgermeister Georges Balbuzard weigert sich, aufzugeben. Als der etwas schrullig-spleenige Fotograf Blake Newman aus Amerika zu Besucht kommt, sieht Georges eine große Chance für Mele-sur-Sarthe. Denn Newman hat sich in ein Feld vor den Toren der Stadt verliebt. Dieses Feld soll sein nächstes Motiv werden. Und die Stadtbewohner gleich mit. Denn Newman ist berühmt für seine Aufnahmen nackter Menschen, eingebettet in eine bestimmte Landschaft. Georges erhofft sich von der Aufnahme eine Menge öffentliche Aufmerksamkeit für die Stadt und ihre Probleme. Doch er hat die Rechnung ohne seine kratzbürstigen Bewohner gemacht. Denn die wollen nicht nackt posieren. Und erst recht nicht vor einem Fremden. Philippe le Guay ist mit EIN DORF ZIEHT BLANK eine erfrischend leichte und herzerwärmende französische Feelgood-Komödie gelungen, die im Kern auch wichtige gesellschaftliche Themen anspricht und diese augenzwinkernd in die Geschichte einwebt. So wird die Landwirtschaftskrise ebenso behandelt wie auch die steigende Zahl von Stadtbewohnern, die aufs Land ziehen und dort augenscheinlich Fremdkörper sind. Und der Begriff der Heimat und seine Bedeutung auch und gerade für junge Leute spielt in der Komödie ebenfalls eine große Rolle. Getragen wird der Film von den authentisch agierenden Darstellern. Angeführt von dem charismatisch und ausdrucksstarken Francois Cluzet als sympathischem Bürgermeister agiert das Ensemble perfekt aufeinander eingespielt. Die Gemeindeabende, in denen kleine und große Probleme lautstark ausdiskutiert werden, wirken ebenso milieuecht wie auch die gesamte Kleinstadtszenerie rund um den Marktplatz, wo das Herz der Kleinstadt schlägt, wo getratscht, beobachtet, gezankt und geheiratet wird. Die beschwingte Musik, die wunderbaren Landschaftsaufnahmen aus der Normandie und das pointierte Drehbuch machen EIN DORF ZIEHT BLANK zu einem spritzigen Kinoerlebnis. Feelgood auf französisch – voller Herz und Charme.​