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am 14. November 2019

Jede Fliege zählt

Grüne Baden RED - Baden für insektenfreundliche Gründächer

In der Volksbank Baden bei Wien wurde am 13. November über die Bedeutung von insektenfreundlichen Gründächern diskutiert. Auf Einladung des Drogerie-Unternehmers Dr. Christian Prokopp und dem Energiereferat der Stadtgemeinde Baden, wurde der Bielefelder Insektenschützer und Biozidhersteller  Dr. Hans-Dietrich Reckhaus nach Baden eingeladen, um mit über 50 interessierten TeilnehmerInnen über den Wert von Insekten und die Bedeutung von Dachbegrünungen im urbanen Raum zu diskutieren. Mitveranstalter des Infoabends waren die Volksbank Wien-Baden und die Wirtschaftskammer NÖ, Bezirksstelle Baden.

Anlass dieser speziellen Veranstaltung war die Errichtung eines Insektendaches am Firmensitz des Unternehmens Prokopp in der Badener Innenstadt. Dieses Projekt wurde nach den Plänen und Kriterien von von „Insect Respect“, dem von Dr. Reckhaus entwickelten Gütesiegel für Gründächer, errichtet.

Dies war auch der Anstoß, dass das Energiereferat der Stadtgemeinde Baden mit Vizebürgermeisterin und Umweltgemeinderätin Dr. Helga Krismer ein bereits in der Schublade befindliches Konzept zur Förderung von Objektbegrünungen erneut aufgegriffen haben. Noch im Dezember 2019 wird diese neue Förderrichtlinie dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorliegen. Damit ist Baden nach Wien, Graz und Linz die vierte Gemeinde in Österreich, welche Objektbegrünungen fördern wird.

Bürgermeister Dipl.-Ing. Stefan Szirucsek erwähnt bei seiner Begrüßung: „Innovative Bautechnik, Ökologie und Klimaschutz werden durch gut ausgeführte Objektbegrünungen vereint. Die e5-Gemeinde Baden hat mit dem Stadtgartenteam bereits selbst ein vorbildliches Insektendach errichtet, und nun wollen wir dieses Thema in die Breite bringen.“

Das Thema Dachbegrünungen ist aktuell wie noch nie. Durch die Schaffung von hochwertigen Grünflächen im städtischen Raum wird einerseits eine Verbesserung des Mikroklimas erreicht und andererseits gegen den rasanten Artenverlust, insbesondere von Insekten, ein aktiver Beitrag geleistet.

Vizebürgermeisterin Dr. Helga Krismer kündigt an: „Baden wird wieder einmal Vorreiter sein und ein innovatives Unterstützungsgebot zur Errichtung von Objektbegrünungen für Private und Unternehmen in Baden anbieten. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur erarbeiten wir diese Förderrichtlinie, welche bereits im Dezember im Gemeinderat beschlossen werden soll. Damit werden wir einen Anreiz für noch mehr Grünraum und Artenvielfalt in Baden schaffen, und setzen eine wichtige Maßnahme unserer bereits beschlossenen Klimawandelanpassungsstrategie um.“

Aus energietechnischer und bauphysikalischer Sicht verbessern Objektbegrünungen die Gebäudesubstanz, verringern Sanierungskosten, dämmen und kühlen ein Haus, und tragen sogar zur Wertsteigerung einer Immobilie bei. Das Leistungsspektrum von Bauwerksbegrünung reicht über die Bereiche Wasser, Mikroklima, Energie, Lebensqualität, Ökologie bis hin zu Ökonomie.

Dr. Gerfried Koch, Leiter des Energiereferats, erläutert: „Objektbegrünungen sind eine mehr und mehr an Bedeutung gewinnende Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel. Städte werden im Sommer zu „Backöfen“ und da können Dach- und Fassadenbegrünungen einen wichtigen Ausgleich schaffen. Es freut mich, dass wir in Baden künftig gute Projekte unterstützen können.“

Dr. Christian Prokopp betont: „Uns war es ein Herzensanliegen der Umwelt ein kleines Stück zurück zu geben. Das Konzept von „Insect Respect“ und die Gespräche mit Hans-Dietrich Reckhaus haben mich überzeugt, dass eine insektenfreundliche Dachbegrünung auf der Filiale Baden Sinn macht. Mit dem Umsetzungsexperten Jörg Fricke von der Klosterneuburger Firma FRICKE Gründächer und Gartengestaltung, haben wir einen kompetenten Umsetzungspartner gefunden.“

Eine scheinbar unglaubliche Geschichte wurde an diesem Abend von Dr. Reckhaus erzählt und begeistert aufgenommen. Es ist die ungewöhnliche Kampagne, die der Bielefelder Biozidhersteller Reckhaus fährt: Das Familienunternehmen, das Mittel gegen häuslichen Insektenbefall herstellt, warnt vor der Gefahr der eigenen Produkte. „Tötet wertvolle Insekten“, heißt es auf der Frontseite der Kleidermotten- und Fliegenfallen oder -sprays in einem dicken schwarzen Rahmen. Die Warnungen​ ähneln zumindest optisch den Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln. Wie kommt ein Unternehmer darauf, vor seinen eigenen Produkten zu warnen? Für Hans-Dietrich Reckhaus, den Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, ist das eine moralische Frage. „Mit dieser Initiative kämpfe ich für ein neues Verständnis im Umgang mit Insekten“. Diese seien für die Umwelt von unschätzbarem Wert – gleichzeitig sei zu beobachten, wie das Insektensterben immer dramatischere Ausmaße​ annimmt. „Deshalb setzen wir uns für eine reduzierte und bewusstere Insektenbekämpfung ein“, sagt Reckhaus. „Mit dem Warnhinweis wollen wir unsere Kunden für die Problematik sensibilisieren.“

Seit über 60 Jahren stellt das Familienunternehmen Insektentötungsprodukte her. „Ich hatte nie ein schlechtes Gewissen – bis die Kunst mich wachgerüttelt hat“. Seither treibe er die Transformation seines Unternehmens voran, die „Verwandlung von einem sinnlosen, umweltzerstörenden Chemietanker in einen sinnstiftenden, insektenrettenden Gartenbaubetrieb“, so Reckhaus. In Ostösterreich hat Reckhaus mit der Firma Fricke aus Klosterneuburg einen kompetenten Umsetzungspartner seines Konzepts von insektenfreundlichen Gründächern gefunden.